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Irisch die gesprochene, ungesprochene Sprache

Irisch - über 2000 Jahre lang die dominierende Sprache in Irland und in Teilen Schottlands wird heute kaum gesprochen und in Alltagssituationen gebraucht und das obwohl es Schulpflichtfach ist und eine aktive Sprachwiederbelebungspolitik in Irland betrieben wurde. 1983 wurde die Gälische Liga (Conradh na Gaeilge, oder Gaelic League) gegründet, deren Hauptziel es war die Irische Sprache trotz mangelndem standardisierten Sprachcorpus und Schriftsprache wiederzubeleben. In jahrelanger Arbeit wurde die Sprache normiert und zum Schulpflichtfach gemacht.
Der Status der Sprache unter den Iren hat sich seither stark geändert und vor allem die jüngere Generation ist überwiegend stolz darauf, Irisch zu sein und Irisch zu sprechen, jedoch wirklich sprechen, das heißt in der alltäglichen Kommunikation auch zu verwenden, sie es nicht.Ó Murchú (1998: 9) erwähnt eine Analyse der Volkszählung von 1996, die feststellt, dass nur 2.9% der erwachsenen Bevölkerung des irischen Staates oder 71.000 Iren jeden Tag Irisch sprechen.
Laut Seán Ó Riain gibt es dafür hauptsächlich folgende Gründe:
1.) Die Bemühungen irischer Sprachplaner sein von Anfang an darauf ausgerichtet gewesen Irisch zu unterrichten, ohne dabei zu bedenken, dass Sprachunterricht alleine nicht ausreicht, um die weitgehende Verwendung der Sprache zu verankern.
2.) Irische Politik werde nicht auf Irisch gemacht, sondern Sprachplanung werde weiterhin als alleinige Aufgabe des Unterrichtsministerium betrachtet.
3.) Es gebe wenige begleitende wissenschaftliche Untersuchungen über Erfolg und Weiterentwicklung der Sprachplanungsmaßnahmen.
Auch hier zeigt sich ähnlich wie im Bretonischen, dass die größte Schwierigkeit wohl darin besteht, die Sprache wieder im Alltag zu verankern, von der Bildung auf das tägliche Leben zu übertragen.

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