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Bretonische Wiederbelebungsversuche

Die Zahl der Sprecher des Breto- nischen hat sich seit den 1950er-Jahren drastisch verringert. Da die Franzö- sische Republik keine Sprecher- zahlen der auf ihrem Territorium gesprochenen Sprachen erhebt, beruhen alle Angaben auf Schätzungen. Allgemein wird davon ausgegangen, dass 1950 etwa 1.200.000 Menschen des Bretonischen mächtig waren, wovon einige zehntausend sich nicht fließend auf Französisch verständigen konnten. Mit dem Aussterben dieser monoglotten Bevölkerungsgruppe setzte ein schneller Übergang zum Französischen ein, da die meisten bretonischsprachigen Familien begannen, ihre Kinder einsprachig auf Französisch aufzuziehen, um ihnen Diskriminierung in Schule und Berufsleben zu ersparen. Heute wird die Zahl der brezhonegerien (Bretonischsprecher) auf unter 250.000 geschätzt, von denen etwa zwei Drittel älter als 60 Jahre alt sind. Nur maximal halb so viele Menschen verwenden die Sprache auch tatsächlich im Alltag.
Bretonisch ist also vom Aussterben bedroht, aber es ist noch nicht alles verloren.
Bretonische Sprachaktivisten haben ein Netzwerk bretonischer Mittelschulen  geschaffen, das rasch expandiert. Eine bretonischsprachiger Fernsehkanal und mehrere Radiosender wurden eigerichtet. es gibt Pläne eine bretonischsprachige Universität aufzuziehen.
Gemeinde um Gemeinde wurde eine Politik des Französisch /Bretonischem Bilingualismus vertreten.
Wichtig ist es Bretonisch wieder in der Familie zu verstärken. Auch wenn Bildung ein wichtiger Spracherhalter ist, ohne der Verankerung der Sprache in Alltag und Familie, hat sie nur geringe Überlebenschancen. Hier ist es wichtig auf die wenigen Sprecher der älteren Generation zuzugehen, die noch vollständige Sprachkenntnisse des Bretonischen haben, und sie aktiv in Kindergärten und Nachmittagbetreuung miteinzubeziehen.
Viele Initiativen wurden in den letzten Jahren angedacht, einige auch schon umgesetzt, aber noch immer bleibt viel zu tun und die Zeit läuft...

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