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Neuseeländische Sprachplanung

Es wird angenommen, dass etwa 50.000 NeuseeländerInnen kompetente SprecherInnen des Maorí sind, während etwa weitere 100.00 passive Kompetenzen haben. Diese SprecherInnenzahlen sind weitaus stärker als die anderer indigener Sprachen des Südpazifiks, allerdings sind etwa 40% der Sprecher älter als 55 Jahre und etwa genauso viele zwischen 34 und 54 Jahre alt. Außerdem gibt es heute etwa 10.00 Sprecher weniger als noch vor 10 Jahren. Vor allem für die Maori Jugend ist es daher wichtig mit einer gezielten Sprachplanung das gebrochene Selbstverständnis wieder herzustellen.

LinguistInnen sind sich einig, dass gezielte Sprachplanung auf den folgenden fünf Indikatoren basiert:
  1. Sprachgebrauch: Wie oft, wann und worüber sprechen Maori Sprecher in Maori?
  2. Sprachstatus: Welche Wertschätzungen, Einstellungen und Meinungen haben Personen gegenüber der Maori Sprache?
  3. Spracherwerb: Wie viele Personen sprechen Maori? Wie erwerben sie die Sprache und welche Kompetenz erreichen sie?
  4. Sprachkorpus: Kann die Maori Sprache adäquat modernes neuseeländisches Leben beschreiben und widerspiegeln? Gibt es Wörter für neue Technologien?
  5. Kritisches Sprachbewusstsein: Wie viele Personen wissen über die Situation der Maori Sprache Bescheid? Wissen Sie über Möglichkeiten die Sprache zu lernen Bescheid? Welche Strategien verfolgen Sprecher in ihrer eigenen, persönlichen Sprachplanung?
Eine bilinguale Nation:

Ziel der neuseeländischen Sprachplanung ist es eine bilinguale Nation zu schaffen, die sowohl Maori als auch Englisch im gleichen Maße verwendet. (Mehr Informationen auf www.tetaurawhiri.govt.nz)

Dazu müssen folgende Maßnahmen umgesetzt werden:
  • Maori muss als Sprache der Maori Community gestärkt werden
  • alle NeuseeländerInnen sollten die Gelegenheit wahrnehmen können, bilingual zu werden
  • Maori und Englisch müssen von der Regierung gleich behandelt werden
  • Assistenz für Sprecher des Māori
Laut dem Health of the Māori Language Survey 2006, ergeben sich bezüglich der Sprachkompetenz Folgendes
  • 14 Prozent der erwachsenen Maori Sprecher sprechen gut oder sehr gut Maori (5% mehr als 2001)
  • 37 Prozent sprechen eher gut bzw nicht so gut (4% mehr als 2001)
  • 48 Prozent haben passive Kenntnisse und verstehen Maori bis zu einem gewissen Grad(10% weniger als 2001)

Mehr Informationen hierzu unter: http://www.tpk.govt.nz/maori/language/default.asp

Da es also in den letzten 20 Jahren gelungen ist, Maori zu stärken und die SprecherInnenanzahl zumindest zu stabilisieren, richtet sich die neuseeläandische Sprachplanung folgende Ziele gesetzt:
  • weiteres Erhöhen der Anzahl der Maori Sprecher sowie ihrer Sprachkompetenzen
  • Verbreitung von Information über die Maori Sprache
  • Verstärkung von positiven Einstellungen gegenüber der Sprache
  • Unterstützung bei der Verwendung von Maori in neuen Arten und Situationen
Was verspricht man sich in Neuseeland von einer derartigen Sprachplanung?
Einerseits eine gestärkte nationale Identität sowohl nach innen als auch nach außen, neuseeländische Maori Kultur als nationaler Schatz, andererseits eine reichere Wissensgesellschaft deren Zugang allen NeuseeländerInnen offen steht und von dem somit schließlich alle NeuseeländerInnen profitieren.

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