Direkt zum Hauptbereich

Sprache und Identität

Wenn zwei Personen miteinander sprechen, werden nur etwa 5-10% des Inhalts tatsächlich über die Wörter kommunizieren. Der restliche Inhalt wird über Situationskontext, Mimik, Gestik, Sprechverlauf, Stimmklang etc. übertragen.
Es ist also nur allzu offensichtlich, dass Sprache viel mehr ist als nur Mittel zur Übertragung von Inhalten. Dazu wären 5-10% viel zu uneffektiv und die Menschheit wäre durch die Evolution schon längst dazu getrieben worden, ein geeigneteres Mittel zur Kommunikation zu entwickeln. Sprache kann viel mehr als Inhalte vermitteln.
Ein Sprecher spiegelt in seiner Sprache seine Identität wieder und nimmt mit der Sprache des anderen seine Identität wahr.
Sprache bietet ihren Sprechern einen Rahmen, um ihre Welt wahrzunehmen, sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen und einer anderen fremd. Sprache ist verbindend und trennend und birgt viel mehr Potential als es uns bewusst ist. Individuen ihre Sprache zu nehmen, bedeutet sie ihrer Identität zu berauben, ihren Platz in der Welt zu sichern.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Der Kaukasus - die linguistisch reichste Region Europas

"Berg der Sprachen" nannte im 10. Jahrhundert der arabische Geograph Al-Mas'udi den Kaukasus und schon Plinius berichtet, dass die Römer in Dioskurias (heute Sokhumi) 130 Dolmetscher benötigten. Die Angaben schwanken zwischen 70 und 360 Sprachen und Dialekten. Als Ursache für die Vielfalt auf engstem Raum ist sicherlich die starke Zerklüftung des Kaukasusgebiets in viele kleine, schwer zugängliche Täler mit bis über 5000 m hohen Gipfeln verantwortlich, in die sich die verschiedensten Gruppen zurückziehen konnten und so ihre angestammten Sprachen behielten. Darüber hinaus trägt die geografische Situation zur Abspaltung von Dialekten bei, aus denen sich nach einiger Zeit - begünstigt durch erschwerte Kommunikation - selbständige Sprachen entwickelten. Besonderheit bei Kaukasisch ist jedoch, dass diese Sprachen keine genetisch einheitliche Sprachfamilie bilden, sondern aus mehreren Sprachfamilien stammen. Deshalb gliedern Linguisten Kaukasisch in drei ...

"Die Großen"

Hier ein Überblick der meist gesprochenen Sprachen der Welt. Aber Vorsicht, die Zahlen können nur ungefähre Richtwerte sein. Nicht alle Sprecher des Spanischen zum Beispiel haben Spanisch auch als Muttersprache, viele sprechen eine Regionalsprache, wie Katalanisch in Spanien oder Guarani n Uruguay als Erstsprache. Hier zeigt sich bereits, dass Sprache über Nationalgrenzen hinausgeht und nicht etwas ist, das in absolute Zahlen gefasst werden kann.

Tschetschenisch

Sprecherzahl: Gesamtzahl circa: 1.350.000 (Jahr 2002).Russische Föderation: 1.331.844 (Jahr 2002).Georgien: 7.110 (Jahr 2002). Die tschetschenische Volksgruppe stammt aus dem mittleren Gebiet des Gebirgszugs des Kaukasus. Bis 800 n. Chr. waren Tschetschenisch und Inguschisch ein und dieselbe Sprache. Die Idee der gemeinsamen Identität und der gemeinsamen Bräuche besteht bis heute fort und findet ihren Ausdruck in den Begriffen vaj mott ('unsere Sprache') und vaj naax ('unser Volk'). Gewöhnlich verstehen die Sprecher des Tschetschenischen das Inguschische - aufgrund der engen Beziehungen zwischen den beiden Volksgruppen und der linguistischen Nähe der beiden Sprachen.Die tschetschenischen Dialekte lassen sich in zwei Hauptgruppen unterteilen:1. das Tschetschenische der Berge, welches die Dialekte Tscheberloisch, Scharoi, Itumkalisch und Melchisch (Galantschoshisch, Übergangsdialekt zum Inguschischen) umfasst,2. das Tschetschenische der Ebenen, welches die Dialekte Akkisc...